Die Eucharistische Anbetung



Die große Bedeutung der eucharistischen Anbetung 
– Ehre sei Gott und Frieden den Menschen seiner Gnade!

Gemäß den Wünschen der Päpste Johannes Paul II und unseres Papstes Benedikt XVI, sowie aller Bischöfe bei der Schlusssynode zum Jahr der Eucharistie ist es Schwerpunkt unserer Pastoral die Gläubigen unserer Pfarrei zur eucharistischen Anbetung einzuladen und zu befähigen.
Seit einigen Jahren besteht Tag und Nacht die Möglichkeit zur eucharistischen Anbetung.
Tagsüber ist die Anbetungskapelle immer offen, nachts wird - wenn jemand zum Beten da ist - auf Klopfen geöffnet.
Es wäre schön, wenn noch mehr bei der ständigen Anbetung mitmachen würden. Nähere Infos 0 99 31 - 24 59


Seit 11.Februar 2012:

 Die Eucharistische Anbetungsgemeinschaft St.Petrus-Otzing

Die Eucharistische Anbetungsgemeinschaft St. Petrus-Otzing wurde am 11.Februar 2012 von Hwst.H. Diözesanbischof Gerhard Ludwig Müller (jetzt: Präfekt der Glaubenskongregation in Rom) in ihren Statuten als kirchliche private nicht rechtsfähige Vereinigung nach CIC can. 299§§ 2 u. 3. bischöflich anerkannt.

Ziele der Gemeinschaft: Die Glieder der Gemeinschaft wollen in einer säkularen Gesellschaft - und einer - zumindest in manchen Teilen - sich selbst säkularisierenden Kirche "Salz der Erde" (Mt 5,13) sein, d.h. die Kraft von Gottes Wort direkt durch Evangelisation und indirekt durch die eucharistische Anbetung, die dem "Wort, das Fleisch geworden ist", huldigt, an die erlösungsbedürftige Welt weitergeben.

 Es soll die Praxis der Ewigen Anbetung des Allerheiligsten in den Pfarrgemeinden, aus denen die Mitglieder  bzw. die Interessenten kommen, in kirchlichen Einrichtungen, Krankenhäusern, Schulen und Kindertagesstätten gefördert werden "für das Leben der Welt" (Joh 6,51), damit die lebendige Gegenwart des Herrn die Menschenherzen verwandelt und Friede, Gerechtigkeit und Einheit in der Welt und speziell im Leib Christi, der Kirche, wiederhergestellt werden.

Katholiken/Innen, die in ihren Pfarrgemeinden zu wenig oder keine Gelegenheit zur eucharistischen Anbetung haben, sollen im Anbetungszentrum Otzing die Möglichkeit zur eucharistischen Anbetung finden. Außerdem sollen sie hier ein Angebot an geistlicher Unterweisung für die Eucharistische Anbetung vorfinden, sowie die Möglichkeit sich mit Brüdern und Schwestern geistlich auszutauschen.

Die Gemeinschaft will durch ihren Gebetsdienst die Neu-Evangelisierung Europas unterstützen (v.a. die Aktivitäten im Evangelisationszentrum St.Petrus-Otzing und Medienzentrum-Otzing) und so den Namen Gottes und seine Barmherzigkeit verherrlichen.

Die Gemeinschaft will absolute Treue zum Lehramt von Papst und Bischof leben und diese durch ihr Gebet in ihrem Dienst unterstützen. Sie sucht die Einbindung in die Gesamtpastoral der Diözese Regensburg, sowie in die jeweiligen Heimatgemeinden.

Spiritualität und geistliche Regeln: Die Mitglieder der Gemeinschaft leben entschieden aus der Eucharistie, indem sie versuchen, täglich die hl.Messe mitzufeiern und häufig (zur Tages- und Nachtzeit) den eucharistischen Herrn anzubeten und auf seine Stimme und sein Wort zu hören. Sie erbitten jederzeit möglichen Zugang zu einem Tabernakel und erhalten Unterweisung im Gebt, eine entsprechende Einführung in die Betrachtung von Gottes Wort und das Studium lehramtlicher Texte, sowie von Weisungen geistlicher Lehrer (Theresia v. Avila, Bernhard von Clairvaux, Johannes vom Kreuz u.a.). Das Streben nach persönlicher Heiligkeit soll hinführen ganz im Einklang mit Gottes Willen zu sein. Wo dies nicht gelingt, wird dankbar aus der göttlichen Barmherzigkeit im Sakrament der Versöhnung geschöpft und Gott so verherrlicht.

Die Mitglieder wollen hierzu in ihrem Gebetsleben den Eingebungen des Heiligen Geistes als dem wahren "Lehrmeister des GEbetes" gehorchen, empfangen häufig das Sakrament der Versöhnung, dienen einander mit den empfangenen Charismen und fördern nach ihren Möglichkeiten die Neu-Evangelisierung Europas.

Sie suchen die tägliche und ständige eucharistische Anbetung vor Ort aufzubauen und zu organisieren und dabei möglichst auch am Stundengebet der Kirche teilzunehmen.

Sie weihen sich der Gottesmutter Maria, ehren sie unter dem Titel "Leitstern der Evangelisierung", "Eucharistische Frau" und mühen sich - über die Pflege marianischer Andachtsformen hinaus (speziell: Feier der Fatima-Tage und Herz-Mariä-Samstage, das Rosenkranzgebet und Wallfahrten) - um einen marianischen Lebensstil.

Durch häufige Anrufung wird der Heilige Petrus als Erster der 12 Apostel verehrt und damit für seinen Nachfolger, der Heiligen Vater, und die Bischöfe Fürbitte gehalten.

Die Mitglieder nehmen regelmäßig geistliche Begleitung in Anspruch und mühen sich um ein Leben in christlicher Nächstenliebe. Sie nehmen aktiv am geistlichen und liturgischen Leben der Pfarrgemeinden teil, aus denen sie kommen und unterstützen sie in den Werken der Caritas.

(Weitere Info´s finden Sie beim Eingang der Anbetungskapelle und bekommen Sie bei Ludwig Hölzl (0175/9650039).

 

 

 Wichtiges zur Eucharistischen Anbetung

 I. Die Eucharistie baut die Kirche auf

Der Papst zitiert den hl. Paulus; er entnimmt den Kapiteln 10 und 11 des ersten Korintherbriefes die Worte: „Ist der Kelch des Segens, über den wir den Segen sprechen, nicht Teilhabe am Blut Christi? Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi? Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot.“ Die Teilhabe am Blut und Leib des auferstandenen Herrn baut nicht nur die vertikale Gemeinschaft mit dem auferstandenen Herrn auf; sie baut gewissermaßen auch die Gemeinschaft zwischen allen auf, die mit dem Herrn in Verbindung stehen. Die vertikale Gemeinschaft baut die horizontale Gemeinschaft auf, während die horizontale Gemeinschaft die Epiphanie der vertikalen Gemeinschaft ist.

Die Gemeinschaft mit Christus im Sakrament wird notwendigerweise auch zur Gemeinschaft mit allen, die es empfangen. So öffnet sich das Ich des Menschen, und es entsteht ein neues Wir. Auf diese Weise baut die Eucharistie die Kirche auf. Denn die Kirche ist der Leib des Herrn, hervorgebracht aus dem Leib und Blut Christi als Haupt der Menschheit und Herr der Geschichte, der sein Fleisch als Speise „für das Leben der Welt hingegeben hat“ (Joh 6,51).

In der johanneischen Überlieferung finden wir Sichtweisen, die den paulinischen Gedanken, auf den wir hier Bezug nehmen, erklären. Als der Hohepriester Kajaphas vorschlägt, „dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht“ (Joh 11,50), legt der Evangelist diesen Rat folgendermaßen aus: „Aber Jesus sollte nicht nur für sein Volk sterben, sondern auch, um die versprengten Kinder Gottes wieder zu sammeln“ (11,52). Klarer ließe sich die Absicht des Ostergeheimnisses wohl kaum formulieren. Deshalb betete Jesus, als die Stunde gekommen war, in der er die Welt wieder verlassen und zum Vater zurückkehren sollte, dass »alle eins sein sollen, wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin« (17,21). Wenn wir durch die Gemeinschaft eine solche Einheit, ja alle ein einziger Leib, nämlich der Leib Christi, und somit Glieder sind - jeder einzelne ein Glied von ihm und von den anderen -, wie sollen wir uns da verhalten? Wir sollen einander lieben. Einen anderen Weg gibt es nicht. Dazu ein treffendes Wort von Augustinus: „Da es nur ein Brot gibt, sind wir, obgleich viele, ein einziger Leib. Und in diesem Brot wird euch nahelegt, dass ihr die Einheit lieben sollt. Denn bestand jenes Brot etwa aus einem einzigen Weizenkorn? Waren es nicht viele Weizenkörner?“

Auf den Seiten des Neuen Testamentes, im Evangelium von den Taten und Worten Jesu, entdecken wir die Kunst des Liebens. Diese Kunst ist eine „Technik“, durch die wir das sein können, was wir sind, nämlich der in der Eucharistie gegenwärtige Leib des österlichen Christus. Schauen wir uns die ersten Schritte in dieser Kunst des Liebens an. Zuerst müssen wir lieben. „Gott hat uns zuerst geliebt« (1 Joh 4,19). Dann müssen wir alle lieben — nicht nur die Freunde, die Katholiken, Menschen, die uns sympathisch sind —, so wie Jesus, der sich hingegeben hat „als Lösegeld für viele“ (Mk 10,45). Drittens müssen wir mit Taten lieben, nicht allein mit Worten (vgl. 1 Joh 3,18), und zwar durch konkretes Dienen. Und wir müssen lieben, indem wir mit den anderen in allem, außer dem Bösen, eins sind. Wird uns dieser Schritt in der Kunst des Liebens nicht im Geheimnis der Eucharistie gelehrt? Das Wort, das Gott ist, ist Fleisch geworden aus dem Fleisch Mariens und hat dann, „da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, ihnen seine Liebe bis zur Vollendung erwiesen“ (Joh 13,1). Deshalb machte er sich zur Speise und zum Trank für uns. Er zeigt uns auf wunderbare Weise die Tiefe seiner Einheit mit uns. Und was tun wir, wenn wir die Eucharistie empfangen? Auch wir müssen mit jedem eins werden: „Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden“ (Röm 12,15; vgl. Phil 2,2).

Hier zeigt sich, wie bedeutsam, ja notwendig der eucharistische Kult außerhalb der Messe ist. Um unsere christliche Identität zu finden, müssen wir erkennen, dass es eine eucharistische Identität ist. Das lernt man in der Anbetung, weil man durch die Anbetung die Dinge verwirklicht, und Verwirklichung ist das Leben der Religion (Kardinal Newman). Anbetung ist notwendig! Wir müssen unbedingt wieder zur Gottesliebe erwachen, die in uns und unter uns schläft; ja, wir müssen diese Liebe in uns, diese Liebe, die uns alle in einer neuen Menschlichkeit verbindet, neu wecken. Das ist eine wunderbare Frucht der eucharistischen Anbetung: dass wir alle uns als Glieder des einen Leibes Christi entdecken und dass wir damit die Quelle der Kunst des Liebens als Verpflichtung, als das wahre Abenteuer der Christen, entdecken. Und nicht nur das: In der Anbetung finden wir die Kraft zu lieben, wie es jener Kunst des Liebens entspricht. Mutter Teresa von Kalkutta sagte: »Wenn ich auf das Allerheiligste blicke, denke ich an die Armen; und wenn ich die Armen sehe, denke ich an das Allerheiligste.«

 

II. Die Eucharistie offenbart dem Menschen den Menschen

Blaise Pascal sagte: „Der Mensch übersteigt den Menschen unendlich“. Das heißt, der Mensch wächst über sich selbst weit hinaus. Er spürt das Bedürfnis, über sich selbst hinauszuwachsen und auf einen anderen zuzugehen, der unermesslich größer ist als er. Was damit gemeint ist, trifft vielleicht die Formulierung des hl. Augustinus am besten: „Unruhig ist unser Herz bis es ruht in dir“. Auch die moderne Kultur anerkennt die Wahrheit von der Größe des Menschseins, obwohl sie oft die Existenz Gottes formell leugnet. Diese für die menschliche Person grundlegende Sehnsucht zeigt und unterstreicht eine Frage, die sich nicht verbergen lässt, weil sie aus dem menschlichen Herzen selbst kommt, nämlich die Frage: Wo und wie finden wir jenen Höchsten, jenen, der immer der Größere ist? Das ist die eigentliche Frage.

Asienbesucher sehen häufig Völker, die religiöse Bilder auf ihre Weise verehren. Sie verneigen sich vor konkreten Darstellungen oder knien, wobei sie mit dem Kopf den Boden berühren. Und sie bringen kostbare Gaben dar. Diese Art religiöser Verehrung ist sicher Ausdruck des ekstatischen Dranges hin zu dem, der immer „der Größere“ ist. Und sie ist Ausdruck dieses grundlegenden Willens des Menschen, seine Abhängigkeit von einem anderen anzuerkennen.

In dieser Sicht können wir den Sinn der Anbetung für den Menschen begreifen. Wie wir gesehen haben, hat Jesus „uns geliebt und sich für uns hingegeben als Gabe und als Opfer, das Gott gefällt“ (Eph 5,2). Der unsichtbare Sohn des unsichtbaren Vaters wird Mensch, und da er Mensch und sichtbar ist, bleibt er unter den eucharistischen Gestalten selbst ganz gegenwärtig. Das ist der Sinn der Anbetung: Ich erkenne vor mir das Geheimnis, das mich umgibt; ich beuge mein Knie vor der Heiligen Hostie, die das ganze Geheimnis Christi als mein Geheimnis enthält! „Du bist der, der du bist, und ich habe das Privileg zu leben, um das zu erkennen.“ Der irische Dichter Patrick Kavanagh hat geschrieben: „0 Christus, das ist es, was du gemacht hast: In einer Brotkrume ist das ganze Mysterium enthalten.“

Der hl. Pierre-Julien Eymard, Stifter des Ordens des Allerheiligsten Sakramentes, hat sein Leben gleichsam als eine unablässige Entdeckung der unendlichen Schätze in der Eucharistie verbracht. Von ihm stammt der berühmte Satz: „Unser Jahrhundert ist krank, weil man die Anbetung nicht mehr pflegte um ein wahrhaft menschliches Leben zu führen“ – das heißt ein Leben im Einklang damit, dass wir als Geschöpfe von einem anderen abhängig sind, der stets der Größere ist –, bedarf es unbedingt der Anbetung. Durch die Anbetung Jesu in der Eucharistie werden wir immer mehr zu dem, was wir sind!

 

III. Die Eucharistie ist Kundgabe der »relatio«

Der Offenbarung gemäß ist der Mensch nach dem Abbild und Gleichnis Gottes geschaffen (Gen 1,26). Das heißt, der Mensch ist für Gott ein Du. Deshalb ist die Religion kein Anhängsel der menschlichen Natur, so als handle es sich um eine bloße Verzierung. Im Gegenteil: Der Mensch findet sich selbst nur in der großzügigen Selbsthingabe, das heißt, wenn er die Seinsweise der Beziehung, die zu seinem Menschsein gehört, auch wirklich lebt. Das ist bekanntlich die Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils in der Konstitution Gaudium et spes (Nr. 22), die im gesamten Lehramt Johannes Pauls II. nachdrücklich bekräftigt wurde.

Im Neuen Testament wird diese Seinsweise der Beziehung unterstrichen. Gott wird als eine Dreiheit unendlicher Personen geoffenbart. Jede göttliche Person ist eine „relatio subistens“, eine für sich bestehende Bezogenheit. Die drei göttlichen Personen leben in einer ewigen „Perichorese“ (wörtl.: Durchdringung), in einem ewigen Liebesaustausch. Das erklärt, warum Jesus, als er die trinitarische Kultur auf die Erde und in die Geschichte einbringt, in den Mittelpunkt die Liebe zu Gott und zum Nächsten stellt (Mk 10,28—34).

Das heißt, die „relatio“, die Beziehung, steht im Mittelpunkt des menschlichen Seins. Personsein heißt, zur Beziehung zu finden und aus der und für die Beziehung zu leben. Denn Jesus betet zum Vater und nimmt das Leiden auf sich, damit alle »eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir« (loh 17,22—23).

Die eucharistische Anbetung in ihren verschiedenen Formen muss aus dieser Perspektive gesehen werden: Sie hilft dem Menschen in erstaunlicher Weise, zu dem zu werden, was er ist. Ja, der Kult, welcher der Eucharistie erwiesen wird, drängt den Menschen, die Beziehung zum Herrn im Sakrament, aber auch zu allen Brüdern zu leben. Er öffnet den Menschen immer mehr für die Gemeinschaft mit den anderen. Die Anbetung ist keineswegs eine Leugnung der individuellen Menschenwürde, vielmehr macht sie die wahre Größe des menschlichen Seins deutlich. Sie hebt hervor, dass ich nur dann ich selbst bin, wenn ich Beziehungen zu Gott und zu den anderen herstelle.

 

IV. Mit den Augen Marias

Johannes Paul II. schreibt über die selige Jungfrau Maria, die „Frau der Eucharistie“, ein ganzes, beinahe rührendes Kapitel. Maria wird als „erster Tabernakel in der Geschichte“ beschrieben (vgl. Nr. 55). Und hier erhellt und vertieft der Papst eine reiche Parallele: „Es besteht eine tiefgehende Analogie zwischen dem Fiat, mit dem Maria auf die Worte des Engels geantwortet hat, und dem Amen, das jeder Gläubige spricht, wenn er den Leib des Herrn empfängt.“ Jeder Gläubige wird auf seine Weise auch zu einem Tabernakel Jesu. Wie wir wissen, „bewahrte Maria alles, was geschehen war, in ihrem Herzen“ (Lk 2,19; vgl. 2,51). Das ist eine Einladung an die ganze Kirche, die Hingabe des Gottessohnes an die Menschheit als Beweis der ewigen Liebe des dreifaltigen Gottes zur Menschheit (vgl. Joh 3,16; Röm 5,8; 8,32) immer mehr zu würdigen. Aber ist nicht eben das der Grund dafür, dass es den Kult der Eucharistie außerhalb der Messe gibt? Maria ist darin Vorbild für alle und jeden einzelnen. Angespornt von der in ihrem Schoß fleischgewordenen Liebe, geht Maria zu Elisabet, um der Cousine durch ihre Anwesenheit ihre Liebe zu bezeigen, und so beginnt die Glaubenspilgerschaft der Mutter Jesu, eine „via Mariae“, ein Weg Marias (Johannes Paul II., Rosarium Virginis Mariae, 24). Durch die Anbetung fühlen sich die Christen ihrerseits dazu angespornt, in Liebe auf die anderen zuzugehen (vgl. Eph 5,2), ihnen durch konkrete Taten der Liebe zu dienen und so für sie „lebendige Eucharistie“ zu werden.

Thomas Norris

Anregungen zur Gestaltung der Heiligen Stunde

Der hl. Petrus Julian Eymard schlug vor, die Anbetungsstunde in vier Schritte aufzuteilen. Während der einzelnen Vier­telstunden soll der eucharistische Herr nacheinander durch Anbetung, Danksa­gung, Sühne und Bitte geehrt werden.

Erste Viertelstunde: Anbetung
„Betet zuerst einmal Unseren Herrn in seinem göttlichen Sakrament an durch eine würdige äußere Haltung. Kniet gleich nieder, sobald ihr vor Jesus in der anbe­tungswürdigen Hostie getreten seid. Ver­beugt euch in tiefster Ehrfurcht und denkt dabei an die Weisen aus dem Morgenland, die sich niederwarfen und das göttliche Kind, das in armseligen Windeln gewi­ckelt in einer einfachen Krippe lag, anbe­teten. Nach diesem Akt der Huldigung betet unseren Herrn durch einen äußeren Akt des Glaubens an. Der Glaube öffnet euch für das Herz Jesu und seine Gnade.
Hierauf opfert euch Jesus Christus mit eurem ganzen Sein auf, schenkt ihm alle Fähigkeiten eurer Seele; opfert ihm euren Verstand, um ihn immer besser zu erken­nen; euer Herz, um ihn zu lieben; euren Willen, um ihm zu dienen; euren Leib mit seinen Sinnen, damit jeder Sinn ihn auf seine Weise verherrliche. Opfert ihm eure Gefühle, indem ihr Jesus den Herrn und Gott eures Herzens nennt; euren Willen, dass er kein anderes Gesetz oder anderes Ziel anstrebe als seinen Dienst, seine Liebe und seine Ehre; euer Gedächtnis, um euch stets nur an ihn zu erinnern und so nur aus ihm, durch ihn und für ihn zu leben. Weil eure Anbetung so unvollkommen ist, ver­einigt sie mit der Anbetung der heiligs­ten Jungfrau in Bethlehem, in Nazaret, auf dem Kalvarienberg und später zu Füßen der Hl. Eucharistie; vereinigt sie mit allen gleichzeitig stattfindenden Anbetungen der hl. Kirche und allen frommen Seelen, die Unseren Herrn in diesem Augenblick anbeten, mit dem ganzen himmlischen Hof, der ihn im Himmel verherrlicht. So wird eure Anbetung an der Heiligkeit und der Frucht ihrer Anbetungen teilhaben.”

Zweite Viertelstunde: Danksagung
„Betet an und preist die unendliche Lie­be Jesu zu euch in seinem Hl. Sakrament. Dankt ihm für seine Gegenwart im Altars­sakrament aus ganzem Herzen und mit all euren Kräften; dankt ihm zusammen mit allen Heiligen. Bewundert die Opfer, die Jesus sich in seinem sakramentalen Zustand auferlegt: er verbirgt seine göttliche und leibliche Herrlichkeit, um euch nicht zu blenden; er verhüllt seine Majestät, damit ihr es wagt, euch ihm zu nähern und mit ihm zu reden wie ein Freund zu sei­nem Freund; er bindet seine Macht, um euch nicht zu erschrecken oder zu strafen; er zeigt euch im Sakrament nicht seine vollkommenen Tugenden, um nicht eure Schwachheit zu entmutigen; er zügelt so-gar die Flamme seines Herzens und seiner Liebe zu euch, weil ihr seine Milde und Kraft nicht ertragen könntet; er lässt euch nur seine Güte schauen, die in den hl. Ge­stalten aufscheint. Vereinigt eure Dank­sagung mit jener der heiligsten Jungfrau nach der Menschwerdung und vor allem nach der hl. Kommunion. Mit ihr wiederholt vor Freude und Glück das Magnifikat eurer Dankbarkeit und Liebe; sprecht ohne Unterlass: 0 Jesus in der Hostie, wie bist du so gut, liebend und liebenswürdig!"

Dritte Viertelstunde: Sühne
„Betet Jesus an und tröstet ihn in sei­ner Einsamkeit, verlassen von den Men­schen in seinem Sakrament der Liebe. Der Mensch hat Zeit für alles, ausgenommen für den Besuch seines Herrn und Gottes, der ihn in seinem Tabernakel sehnsüchtig erwartet. Betet Jesus an und sühnt eine so große Undankbarkeit, soviel Entheiligun­gen, die in der Welt geschehen. Opfert in dieser Meinung alle Leiden auf, die ihr im Laufe des Tages und während der Woche durchstehen müsst.”

Vierte Viertelstunde: Bitte
„Betet schließlich Unseren Herrn in sei­nem Sakrament an, indem ihr den himm­lischen Vater für euch bittet. Vereinigt eure Bitten mit den Bitten Jesu und erbittet das, was Jesus erbittet. Jesus bittet den Vater, er möge seine Kirche segnen, verteidigen und ermutigen. Betet inständig für die hl. Kir­che, die so geprüft und in der Person des Stellvertreters Jesu Christi so verfolgt wird, damit Gott sie befreie von ihren Feinden. Jesus betet unaufhörlich für seine Priester, damit sie von seinem Geist und seinen Tu­genden erfüllt seien. Betet innig für euren Bischof. Betet um die Bekehrung der gro­ßen Sünder. Betet schließlich auch für euch und eure Familien, dass ihr euch bessert und eurer Leben heiligmäßig verbringt.

Unser Lebenssinn besteht in der Anbetung. Ein anbetender Mensch ist schön, voll Harmonie; er ist ein Geschöpf, wie Gott es gewollt hat. Das Anbeten führt uns ins Schweigen - und das Schweigen ist die Voraussetzung für das Empfangen.

Die Anbetung und der geistliche Kampf
Satan kann Gott nicht anbeten. Satan will; dass er selber angebetet wird, indem wir seinen Verlockungen folgen. Wenn wir Gott anbeten, dann widerstehen wir fundamental Satan, der nicht anbeten und lieben kann. Wenn wir uns von Gott lieben lassen, dann rufen wir das ganze Feuer des Heiligen Geistes auf uns herab. Den Heiligen Geist aber kann Satan nicht ertragen, weil er die Sünde wider den Heiligen Geist begangen und sich bewusst gegen Gott gestellt hat. Wer anbetet, entscheidet sich bewusst für Gott. Wenn die Welt Gott anbeten würde, dann wäre die Welt anders als sie ist. Lassen wir uns von Gott lieben - Satan will uns einreden, dass Gott uns nicht liebt und uns alles mögliche missgönnen. Satan sät Misstrauen, und dort ist keine Liebe. Wo aber Liebe ist, da ist Vertrauen, da sitzen wir mit Maria zu Jesu Füßen, weil der Herr da ist und es nichts anderes zutun gibt. Sagen wir mit Petrus: "Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Leben:"

Die Anbetung führt uns in die Weltverantwortung
Die Anbetung ist Teilnahme an Gottes Liebe zu uns - und Gottes Liebe treibt es in die Welt. Unsere Welt soll wieder das Antlitz Jesu tragen. Die Welt soll wieder zu ihrem Vater kommen. Anbetende Menschen werden unter der Führung des Geistes zur rechten Zeit dort ein,. wohin Gott sie senden will.

In der Anbetung treten wir in die ewige Bestimmung unseres Seins ein
Im Himmel werden wir einmal Gott auf ewig anbeten in unvorstellbarer Freude. Wenn wir Gott anbeten, treten wir schon jetzt in unsere ewige, transzendente Bestimmung ein. Die Welt mit ihren Aufgaben ist nicht unser ewiges Ziel. In der Anbetung leben wir schon unsere eigentliche Bestimmung, die über uns hinausweist. Wer anbetet kniet vor Gott, weil ihn Gott für die Ewigkeit angesprochen hat. In dieser Zeit bereiten wir uns für die Ewigkeit vor.

Wer anbetet stellt für sich und andere die Heilsordnung wieder her
Wenn wir Gott im Diesseits anbeten und ihm die Ehre geben, die ihm gebührt, dann geschieht Wiederherstellung der göttlichen Ordnung; dann wird das Chaos dieser Welt, das die Sünde verursacht hat, beseitigt. Zwischen Gott und Geschöpf besteht eine Liebesordnung, die der sündige Mensch verlassen hat und in Chaos umwandelt, wo falsche Götter angebetet werden (Sex, Geld, Idole, Selbstanbetung). Die Menschen beten etwas an, weil sie sich an etwas hingeben wollen. Die Menschen sind zur Hingabe geschaffen und suchen deshalb Anbetung. Daher ist ein Gebot notwendig, das die Anbetung Gottes befiehlt; sonst beten wir falsche Götter an. Wenn wir Gott anbeten, stellen wir für uns persönlich wieder die Ordnung her, wie sie von Gott gedacht ist. Und dann werden wir trotz unseres noch zu läutern-den Weges, zu einem harmonischen Punkt in dem Chaos der Welt, zu einer Quelle, in der der Mensch mit Gott in der entsprechenden Ordnung lebt, so dass wieder die Heilsordnung im persönlichen Leben hergestellt ist. Wenn ich Gott anbete; stelle ich ein Stück versöhnten Kosmos auf der Erde wieder her, nämlich in mir selber.
In Christus und mit Christus wird stellvertretend wieder die Ordnung zwischen uns und Gott hergestellt. In Sodom tritt Abraham stellvertretend für die Sünder ein. Um des einen Gerechten willen will Gott Sodom verschonen - um des einen Gerechten, Christus, willen will Gott die ganze Welt verschonen - um derer willen, die ihn anbeten, will er auch die anderen verschonen. Wenn wir anbeten stellen wir für uns, für unsere Pfarrei, für andere die Heilsordnung wieder her.
Dadurch geschieht Heil und dadurch wird Gott verherrlicht, indem wir seinen Willen tun und anbeten. In der Anbetung will Gott nicht etwas von uns für sich, sondern einzig etwas für uns. In der Anbetung werden uns andere Dimensionen aufgetan: wir entfalten unsere eigene, tiefere Bestimmung und damit geben wir der Welt ein Zeugnis von Gott.
In der Anbetung geschieht eine Evangelisierung unserer selbst

In der Anbetung trifft Gottes Licht die gottabgewandten Seiten in uns. 
Gott überführt die. Sünde, um sie ans Kreuz zu führen, dort, wo die Erlösung ist. In der Anbetung erlauben wir Gott, tiefer von uns Besitz ergreifen zu lassen und den HI. Geist der Liebe tiefer in uns einströmen zu lassen. Durch die Anbetung erfahren wir, wer Gott ist, und wer wir selber sind; wir erfahren das Missverhältnis zwischen Gottes Liebe und unserem Egoismus. Das Gebet ist der Weg, wie der Egoismus überwunden werden kann und man sich der Liebe Gottes wieder neu öffnen kann. Weil es die tiefste Bestimmung des Menschen ist, Gott um seiner selbst willen anzubeten und seinen Willen zu erfüllen, wird Gottes Geist uns dahin führen, dies zu tun; wo dies nicht der Fall ist, wird er uns zum Kreuz führen, wo Erlösung und Gnade geschehen.

In der stillen Anbetung spricht Gott zu uns
Wenn wir still anbeten, dann spricht Gott zu uns. Gott hat uns ja mehr zu sagen, als wir ihm zu sagen haben. Die stille Anbetung führt uns in das Hören und in das Sich-von-Gott-Lieben-lassen hinein. Das Geheimnis unseres Lebens ist die unbegreifliche Liebe Gottes. In der Eucharistischen Anbetung, wo sich Gott für uns so klein und so mit-teilbar gemacht hat, wo sich Gott in einer verschwenderischen Weise schenkt und sich an unsere Ehrfurcht oder Respektlosigkeit und Sünde ausliefert, da fließt seine Liebe in einer Art und Weise zu uns, dass wir fast schon das Herz Mariens brauchen, um diese Liebe auffangen zu können. Das Geheimnis unseres Lebens ist. die unbegreifliche Liebe Gottes, und diese Liebe können wir im Wort Gottes, in der Kommunion und in der Eucharistischen Anbetung als fortgesetzter Form der Kommunion (als immerwährende geistige Vereinigung mit Christus) empfangen. Die Liebe Gottes zu uns ist ein geheimnisvoller Vorgang, und wer beginnt anzubeten, bekommt Sehnsucht nach mehr, weil Gott uns etwas von seinem Sein mitteilt, eine Liebe, die man oft nicht in Worten ausdrücken kann. In der Anbetung werden wir empfänglich für die Liebe und empfangen die Liebe auch.

Die Liebe und die Wahrheit verwandeln die Welt
Der Heilige Geist überführt die Welt der Sünde und sagt ihr, was Gerechtigkeit ist, um sie ans Kreuz zu führen, wo Gott uns seine Vergebung schenkt. Die gekreuzigte Liebe teilt sich uns mit in der Kommunion („Am Abend vor seinem Leiden..,für euch dahingegeben") und wir empfangen sie in der Anbetung. Die Liebe ist die verwandelnde Kraft, weil alles Tun erst durch die Liebe Wert bekommt (1 Kor. 13). Nach dem Maß der Liebe werden wir gerichtet, sie ist unser Daseinsgrund: Ich bin da, weil Gott mich liebt. In der Anbetung bekommen wir dieses ununterbrochene Ja Gottes zu uns zugesprochen und wir werden in der Tiefe angerührt und verwandelt. Wir leben aus der Liebe, wir sind erlöst aus Liebe, wir werden durch den Heiligen Geist erfüllt mit Liebe, und wir gehen einmal ein in die Liebe. Am Reinigungsort lernen wir das Geheimnis, dass Gott uns liebt; wir gehen die Leiden durch, weil wir mit Gott vereint sein wollen. In der Anbetung teilt uns Gott diese Liebe auf seine Weise mit, und diese Liebe verwandelt die Welt. Die stellvertretende Herstellung der göttlichen Ordnung und der Liebesfluss Gottes kommen zu uns - und dadurch verwandeln wir uns und die Welt.

Wir müssen evangelisierte Menschen sein, um evangelisieren zu können. 
Die Liebe Gottes holt uns heim, und so wollen auch wir die Menschen heimholen. Die Liebe des Vaters sendet den Sohn, die Liebe des Sohnes gibt sich dem Vater hin, die Liebe des Geistes bezeugt die Liebe des Vaters und des Sohnes, und Maria sagt zur Liebe Gottes „Ja”. In der Anbetung wird uns diese Liebe mitgeteilt, und sie durchformt und verwandelt uns; und mit dieser Verwandlung geben wir der Welt Zeugnis (Lebenszeugnis eines von der Liebe erfüllten Lebens). Von der empfangenen Liebe Gottes her durchdringen wir von neuem die Welt. Wir verwandeln uns dort am tiefsten, wo wir am meisten unserem Sein entsprechen - in der Anbetung.

 
Eucharist. Anbetung