Charismatische Erneuerung

Unsere Pfarrei gehört zur Region Deggendorf-Straubing.

Die Koordinatoren der Region: 
Eva Hartl, Telefon 09 91 / 9 03 39

Hier erfahren Sie Veranstaltungstermine und in welchen anderen Pfarreien unserer Region es ebenfalls charismatische Gebetskreise gibt.  Mehr Informationen gibt es auch unter  www.erneuerung-regensburg.de

Unsere Gemeinde wird belebt von der Charismatischen Gemeindeerneuerung.

 

 keine neue Bewegung, sondern ein für alle gangbarer Weg zum lebendigen Glauben Anstoß, sich in einem konkreten Glaubensschritt Gott neu anzuvertrauen offen für alle Wirkungen und Gaben des Heiligen Geistes, wo immer sie sich zeigenDie folgenden Darlegungen sind eine Zusammenfassung des amtlichen Grundlagendokumentes "Geistliche Gemeinde-Erneuerung. Grundentscheidung - Sakramente - Charismen", veröffentlicht in der Zeitschrift "Erneuerung in Kirche und Gesellschaft", Heft 22 (1985), Verlag Erneuerung, Scherfeder Str. 20, D-4790 Paderborn. Die in Klammern gesetzten Hinweise ohne Quellenangabe beziehen sich auf die Nummern dieses Dokumentes.

 

Die Situation der Kirche 

Seit der Mitte unseres Jahrhunderts vollzieht sich ein unaufhaltsamer, lautloser Auszug der Menschen aus den Kirchen. In vielen Familien wird der Glaube nicht mehr an die nachfolgende Generation weitergegeben. Man spricht von einem "Traditionsbruch", wie er nur selten in der Geschichte vorkommt. In dieser Notsituation schenkt Gott auf vielfache Weise Erneuerung aus der Kraft seines Heiligen Geistes: "Zahlreiche Jugendliche und Erwachsene entdecken mehr und mehr, von der Gnade berührt, das Antlitz Christi und verspüren die Notwendigkeit, sich ihm ganz zu schenken" (Papst Paul VI., Apostolisches Schreiben über die Evangelisierung in der Welt von heute, 44). So kommen nicht wenige im Zusammenhang mit einer "ausdrücklicher personal vollzogenen Glaubensentscheidung" zu einer "lebendigeren Gotteserfahrung" (Zweites Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute, 7).

 

Geistliche Bewegungen 

Die von Gott geschenkte Erneuerung nimmt in verschiedenen geistlichen Strömungen, Bewegungen, Initiativen konkrete Gestalt an. Die meisten sind bleibend vom Charisma einer Gründerpersönlichkeit und von ihrer Entstehungsgeschichte geprägt, wie etwa die Fokolar-Bewegung, die Bewegung für eine bessere Welt, Cursillo, Neokatechumenat, die Gemeinschaft Christlichen Lebens (GCL), die Taize ausgehenden Impulse, verschiedene marianisch geprägte Bewegungen (Schönstatt-Bewegung, Legio Mariä usw.), die von Nordamerika ausgehende neupfingstlerische "Charismatische Erneuerung". Einige dieser Bewegungen verstehen sich als offene katechumenale Gemeinschaften, andere kennen einen ausdrücklichen Bindungsakt an die jeweilige Gemeinschaft und deren Spiritualität (Nr. 248-283). Diese geistlichen Bewegungen stehen nicht in Konkurrenz zueinander, sondern ergänzen sich wie die Glieder eines Leibes. Je mehr die in ihnen wirksamen Erfahrungen der urchristlichen Grunderfahrung entsprechen desto durchlässiger sind sie füreinander. Geistliche Gemeinde-Erneuerung sieht indem, was ihnen gemeinsam ist, einen Fingerzeig für die Zukunft der Kirche (vgl. Nr. 2):

 persönliche Hingabe an Gott (Umkehr)
 neues Verhältnis zur Bibel und zu den Sakramentenn
 Offenheit für Geistesgaben
 Gemeinschaft aus der Kraft des Heiligen Geistes in Gruppen und "Hauskirchen"

 

Geistliche Gemeinde Erneuerung 

Seit etwa 1972 bildeten sich im gesamten deutschen Sprachraum spontan, zum Teil unabhängig voneinander und häufig ohne direkten Kontakt mit schon bestehenden kirchlichen Erneuerungsbewegungen, Gebets- und Gemeindegruppen: Gläubige aller Altersstufen, Verheiratete und Unverheiratete, Laien, Ordensleute und Priester fanden sich zusammen, um das Wort Gottes zu hören, miteinander zu beten und geistliche Erfahrungen auszutauschen. Dieser geistliche Aufbruch führte zu einer eigenständigen Entwicklung, in den vielfältige geistliche Impulse eingeflossen und zu einem Ganzen verschmolzen sind: die durch Papst Johannes XXIII. geweckte Erwartung eines "neuen Pfingsten", die Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils über Charismen, der weltweite Aufbruch von Geistesgaben, die Wiederentdeckung des Firmsakramentes, das " die Pfingstgnade in der Kirche auf eine gewisse Weise fortdauern läßt", geistliche Erfahrungen in Exerzitien, die Schriften der großen Meister des geistlichen Lebens (Johannes vom Kreuz, Theresia von Avila, Thomas von Kempen, Franz von Sales u. a.), das apostolische Schreiben Papst Pauls VI. über die Evangelisierung, die "Feier der Eingliederung Erwachsener in die Kirche nach dem neuen Rituale Romanum", eine neue Erfahrung von Gemeinde, in der vielfältige Geistgaben zusammenwirken (vgl. Nr. 3). Maßgebend und wesentlich für Geistliche Gemeinde-Erneuerung ist eine von der Gnade Gottes getragene Grundentscheidung, in der sich der Mensch als ganzer in Freiheit Gott überantwortet und die sich im Bekenntnis und in der gesamten Lebensorientierung äußert. Sie führt zu einer bewußten und persönlichen Annahme des sakramentalen Gnadenangebotes Gottes und der Gaben seines Heiligen Geistes (Nr. 4).
Von Anfang an war der aufgetragene geistliche Impuls durchlässig für alle bestehenden Gruppierungen in der Kirche und vereinbar mit den religiösen Zielsetzungen und Organisationsformen aller kirchlichen Verbände. Geistliche Gemeinde-Erneuerung ist offen für die ganze Breite geistlicher Erfahrungen und Wege, für alle Kundgaben des Heiligen Geistes, wo immer sie sich zeigen: in den getrennten Kirchen, in den geistlichen Bewegungen in der Gesellschaft. Sie fand Eingang in Gemeinden mit sehr unterschiedlicher Prägung, in die verschiedenen Ordensgemeinschaften und auch in geistliche Bewegungen. Gemeinde muß nach innen und außen hin offen sein und darf keiner Gruppe zugestehen, das Leben der Gemeinde ausschließlich nach ihren Vorstellungen zu gestalten (Nr. 8). Geistliche Gemeinde-Erneuerung ist keine partikuläre, spirituell geprägte "Bewegung" in der Kirche (Nr. 4, 248-251).
Die sich bildeten Gruppen verstehen sich als "Verwirklichung von Gemeinde", auch wenn sie sich zunächst außerhalb bestehender Gemeinden bilden. Von zentraler Bedeutung ist deshalb der Unterschied zwischen der Gemeinde im eigentlichen Sinn des Wortes und den vielfältigen Formen der Verwirklichung von Gemeinde in Gruppen, Hauskreisen, geistlichen Gemeinschaften und Bewegungen (Nr. 9).
"Geistliche Gemeinde-Erneuerung in der katholischen Kirche" ist eine Verdeutlichung der seit 1974 gewählten Bezeichnung "Katholische charismatische Gemeinde-Erneuerung" (Nr. 6). Das Wort "geistlich" ist bezogen auf alle Gnadenwirkungen des Heiligen Geistes in der Kirche, nicht nur auf die Charismen, sondern auch auf das Wort Gottes, die Sakramente und das Amt sowie auf den Glauben als Antwort der Liebe auf die Zuwendung Gottes und die gesamte Lebensführung des Christen (Nr. 7, 36-46, 288ff.).

CE#ler 2000

Gottes Zuwendung 

Viele Menschen sehen auch heute noch in Gott lediglich ein allmächtiges und allwissendes "höchstes Wesen", das den Menschen lediglich von außen her mißtrauisch beobachtet, ihm willkürlich Gebote und Grenzen setzt und über deren Einhaltung wacht. Mißtrauen gegen Gott und Angst vor den Konsequenzen einer Hingabe an ihm sind die Folgen. Das tiefste Wesen des biblischen Gottes ist seine sich verschenkende Güte, die sich im Kreuzestod Jesu als das "Törichte" und "Schwache" an Gott geoffenbart hat (vgl 1 Kor 1,25):
In Schwachheit hat der ewige Sohn Gottes selbst ein für allemal die Abwendung der Menschheit von Gott überwunden und stellvertretend das vollbracht, was wir aus eigener Kraft niemals erreichen können: unsere Umkehr zu Gott und die Versöhnung mit ihm. In Jesus Christus hat Gott ein für allemal gezeigt, daß er danach verlangt, sich an uns zu verschenken, um uns zu befreien. Er will uns nicht besitzen und ausnutzen. Er hat in Jesus Christus Unterdrückung, Feindschaft und Haß, unsere negativen Lebenserfahrungen, ja, sogar unseren Tod auf sich genommen (vgl Nr. 16-19). Von dieser Liebe Gottes angezogen, beginnen viele zu ahnen, was es bedeutet, zu ihm umzukehren und ihm persönlich zu begegnen. Sie sehen sich in der Situation des "Sohnes", dessen Rückkehr der Vater mit der Sehnsucht erwartet (Lk 15,20).

 

 

Grundentscheidung für Gott und die Kirche 

Wer als kleines Kind durch die Taufe in die Kirche eingegliedert wurde, dem hat Gott ein für allemal das Angebot zur konkret-leibhaften Begegnung gemacht. Wenn die Entscheidungssituation herangereift ist - manchmal durch schwere Lebenserfahrungen hindurch - , weiß der Mensch sich gerufen dieses Angebot Gottes auch ausdrücklich anzunehmen: Jeder Christ sollte sich wenigstens einmal im Leben klar und bewußt für Gott und die Kirche entscheiden (Nr. 20-23). Eine solche Grundentscheidung hat die Tiefe und den Ernst der Taufentscheidung bei der Erwachsenentaufe. Sie ergibt sich nicht gleichsam von selbst aus dem Prozeß des Mitlebens mit anderen Christen und ist auch nicht lediglich die Summe vieler kleiner Glaubensschritte, sondern ein davon unterschiedener Grundakt des Vertrauens. In ihm widersagt der Mensch dem Bösen und stellt sein vergangenes , gegenwärtiges und zukünftiges Leben bewußt unter die Herrschaft Gottes. Dieser Glaubensschritt führt zu einem fruchtbaren Empfang der Sakramente und zur Annahme der Geistesgaben. Er ist zugleich der Beginn einer vertieften und lebenslangen Begegnung mit Gott (Nr. 29-31, 53, 126-129).
In der Regel bereiten die einzelnen sich längere Zeit hindurch auf diesen Schritt vor, etwa durch ein Katechumenat für Getaufte (Glaubensseminare, Gemeindemissionen, Exerzitien; vgl. Nr. 131f.).

 

Umkehrliturgie 

Zu den Grundimpulsen der Geistliche Gemeinde-Erneuerung gehört die Rückgewinnung der Ausdrücklichkeit und Leibhaftigkeit der Antwort des Menschen auf das Gnadenangebot Gottes (vgl. Nr. 27, 65, 84, 136, 149). Im "Gotteslob" Nr. 41 heißt es: "Der Mensch ist eine Einheit von Leib und Seele...Die Äußerung des Inneren ist daher für den Menschen keine Veräußerlichung... Der Verlust leibhaften Ausdrucks oder der Verzicht darauf sind nicht Verinnerlichung, sondern Gefährdung der Frömmigkeit...."Eine Verleiblichung der Frömmigkeit bleibt "nicht ohne Rückwirkung auf unseren inneren Mitvollzug. Manches wird uns innerlich gar nicht ganz zu eigen, wenn wir es nicht auch äußern". Die für die Wirksamkeit des Handelns Gottes notwendige Antwort des Menschen kommt bei der Taufe Erwachsener zum Ausdruck im Ja-Worte des Täuflings und in der Handauflegung des Paten. Deshalb ist es angemessen, wenn die Taufentscheidung des getauften Erwachsenen in einer ähnlichen Weise zum Ausdruck kommt: Im Ja-Wort steht die persönliche Beziehung des Menschen zu Gott im Vordergrund, "Das Auflegen oder Ausbreiten der Hände bei der Segnung von Personen bringt die Bitte um den Segen Gottes über sie und die Mitteilung des Segens durch die Kirche besonders stark zum Ausdruck" (Benedictionale; vgl. Nr. 134-140). Dieser Schritt kann vollzogen werden im Zusammenhang mit der Feier der Sakramente, innerhalb der Eucharistiefeier vor der Gabenbereitung und nach der Kommunion, oder im Rahmen einer eucharistischen Anbetung. Er kann aber auch geschehen in der "Hauskirche", im Rahmen eines seelsorglichen Gespräches oder wo immer zwei oder drei im Namen Jesu versammelt sind (vgl. Mt 18,20).
Durch einen solchen Schritt wird der Christ nicht Mitglied einer neuen geistlichen Gemeinschaft oder "Bewegung", sondern intensiver in die Gemeinde oder geistliche Gemeinschaft eingegliedert, in der er lebt. In ihm zeigt sich die innere Weite der Geistlichen Gemeinde-Erneuerung: das Konkreteste des christlichen Glaubens (persönliche Hingabe an Gott in Anwesenheit der Mitglaubenden) ist zugleich das Allgemeinste (vgl. Nr. 137, 285).

Die Umkehrliturgie für Getaufte hat drei Aspekte:

 Verleiblichung der Grundentscheidung in einem persönlichen Ja-Wort zu Gott und zur Kirche (vgl. Nr. 142, 65, 82-85).
 Erneute Annahme des sakramentalen Gnadenangebotes Gottes. Die für den fruchtbaren Empfang notwendige Antwort des Menschen bildet mit der Spendung der Sakramente eine liturgische Einheit, kann ihr aber bei der Praxis der Kindertaufe und der Firmung Jugendlicher auch zeitlich nachfolgen. Für Priester ist die persönliche Erneuerung des Weiheverspreches, für Ehegatten die erneute Treuebindung aneinander jeweils ein Schritt zur vertieften Begegnung mit Gott (vgl. Nr. 129f., 143, 207). Auch Ordenschristen erneuern ihre Ordensprofeß häufig im Rahmen einer Umkehrliturgie (vgl. Nr. 145, 212).
 Offenheit für die Gaben des Geistes. Gott achtet die Freiheit des Menschen so sehr, daß er auch auf unsere Bitte um den Heiligen Geist und seine Gaben wartet (vgl. Lk 11, 9-13; Joh 14, 13-16; Apg 1, 4). Wachsende Reife des geistlichen Lebens läßt den Christen immer klarer erkennen, welche Gaben Gott ihm für den Dienst in Kirche und Gesellschaft geben will (vgl. Nr. 41, 144).


Jeder sollte die Umkehrliturgie so mitvollziehen, wie es seiner Lebensgeschichte und Situation vor Gott entspricht. In der Praxis haben sich folgende Stufen ergeben:
 Ich lasse mich segnen und bitte Gott um die Kraft zu weiteren Schritten 
    (besonders für Jugendliche zu empfehlen)
 Ich nehme den Reichtum der Sakramente in mich auf
 Ich gebe mich Gott ganz hin 
    (Lebensübergabe, Ausdruck der Offenheit für die Gnade der "zweiten Bekehrung")
 Ich gebe mich Gott ganz hin für die Gemeinde/Gemeinschaft 
    (Ausdruck für die Bereitschaft zum Dienst an der Familie, in Kirche und Gesellschaft).

 

Erfahrungen des Geistes in der Kirche 

Geistliche Gemeinde-Erneuerung ist ihrem Ursprung nach nicht Ergebnis menschlicher Reformbemühungen und Planungen, sondern erwächst aus der Offenheit für die Zuwendung Gottes zum einzelnen und zur ganzen Kirche (vgl. Nr. 3, 206). Das kirchliche Lehramt bezeugt, dass Gott durch seine zuvorkommende und erweckende Gnade das Herz eines jeden Menschen berührt und so zu freien Entscheidung für ihn und seine Kirche befähigt (Nr. 20ff.). Wann und wie dies geschieht, hängt ab von Charakter, Erlebnistyp, Erwartungshaltungen, willentlichen Einstellungen, Lebensgeschichte des einzelnen und letztlich vom freien Gnadenhandeln Gottes (vgl. Nr. 85, 147). Viele bezeugen dankbar, daß ihnen im Zusammenhang mit einem leibhaften Glaubensschritt, etwa in der Umkehrliturgie, eine neue und intensivere Wahrnehmung der Zuwendung Gottes geschenkt wurde (Nr. 148-151). Sie wissen sich von Gott persönlich angenommen und geliebt, so daß in der Mitte ihres Wesens eine tiefe Liebe zu Christus und seiner Kirche, Anbetung, Dank und Lobpreis aufbrechen. Das Wort der Schrift erschließt sich ihnen neu. Sie werden offener für die Freuden und Nöten anderer. Ihre zwischenmenschlichen Beziehungen in Familie, Beruf und Gemeinde verändern sich, und oft erwachsen von innen her neue Motivationen zu einem tätigen Einsatz in Kirche und Gesellschaft (vgl. Nr. 1, 149).

So erwächst christliche Geist-Erfahrung aus einem vielgestaltigen Lebensprozeß, 
in welchem ich innerlich wahrnehme

 die Berührung meines Herzens durch den Geist Gottes und Christi,
 meine dadurch ermöglichte Zuwendung durch Christus zu Gott,
 die geistgewirkte Zuwendung der Mitglaubenden zu mir,
 meine geistgewirkte Zuwendung zu ihnen (Nr. 76).

Solche Geist-Erfahrung kann hin und wieder auch den Charakter eines ganzheitlichen Erlebnisses annehmen, das dem der Erwachsenentaufe ähnlich ist und durch das der Heilige Geist die menschliche Erlebnisfähigkeit auf Jesus Christus und den tätigen Einsatz in Kirche und Gesellschaft ausrichtet (vgl. Nr. 21, 55-59, 67, 149). Eine "Verchristlichung der Gefühle" (vgl. Nr. 96ff.) ist zugleich auch ein unersetzlicher Impuls zu der heute so notwendigen Friedenserziehung (Nr. 185, 193).

 

Geistesgaben (Charismen) 

"Charisma" (wörtlich: besondere Gnadengabe) bezeichnet eine aus der Gnade Gottes erfließende, jeweils vom Geist besonders zugeteilte Befähigung zum Leben und Dienen in Kirche und Gesellschaft. Häufig entsprechen den Charismen natürliche Fähigkeiten des Menschen, die vom Heiligen Geist geläutert, entfaltet und in Dienst genommen werden. Charismen sind aus ihnen aber nicht ableitbar, sondern entspringen der freien Gnadenwahl Gottes. Sie sind letztlich so zahlreich und verschieden wie die Menschen selbst: Keiner vereinigt in sich die Fülle aller Gaben, keiner hat die gleichen Gaben wie andere (Nr. 40, 155). In dem Grundlagendokument "Geistliche Gemeinde-Erneuerung" werden im einzelnen folgende Charismen beschrieben: Gaben der Weisheit, der Erkenntnis, des Glaubens, des Gebetes, prophetische Gaben, Gaben der Heilung, Gaben für die Gesellschaft, Gabe der Lehre, der Unterscheidung, der Leitung, Gaben für die Ehe und für ein eheloses Leben (Nr. 163-194). Geistliche Gemeinde-Erneuerung versteht sich als Weg zu lebendigen Gemeinden, in denen vielfältige Geistgaben zusammenwirken, und ist für Gaben der Anbetung ebenso offen wie für Gaben, die zum politischen und gesellschaftlichen Handeln befähigen (vgl. Nr. 284).

Das Eigenschaftswort "charismatisch" bezeichnet die Art und Weise, in welcher Gott Charismen verleiht und der Mensch sie ausübt. Es ist nicht gleichzusetzen mit "spontan" und "enthusiastisch" und steht nicht im Gegensatz zu "institutionell" oder "nüchtern". Durch die Pfingstkirchen und die aus ihr erwachsene neupfingstlerische "Charismatische Erneuerung" hat das Wort "charismatisch" die Bedeutung "emotional intensiv" erhalten (vgl. Nr. 158). So kommt es, daß dieses Wort auch im öffentlichen Bewußtsein der Kirchen im deutschen Sprachraum häufig in einem verengten Sinn mit außerordentlichen geistlichen Phänomenen, ungewohnten Charismen, einem enthusiastischen Frömmigkeitsstil und der Flucht aus der alltäglichen und gesellschaftlichen Wirklichkeit verbunden wird. So wurde es zu einer Sprachbarriere, die schwer zu beseitigen ist und vielen den Zugang zu einer Erneuerung aus dem Geist Gottes erschwert (vgl. Nr. 5, 236-247). Alles, was "Geist-Erfahrung" und "charismatisch" genannt wird, muß deshalb mit Hilfe der Kriterien für die Echtheit geistlicher Erfahrung geprüft werden (vgl. Nr. 118-125, 187ff.).

 

Gottesdienst 

Angesichts des ständig nachlassenden Gottesdienstbesuches ist die Erneuerung des Gottesdienstes ein besonderes Geschenk des geschichtlich handelnden Gottes. Im Wortgottesdienst, zu dem "jeder etwas beiträgt" (1 Kor 14, 26), wird Kirche als lebendiger Leib Christi erfahren. In frei formulierten persönlichen Gebeten bringt der einzelne Anbetung, Lobpreis und Fürbitte vor Gott. Durch eine entsprechend vorbereitete Auslegung des Wortes Gottes lernen alle, die Bibel in neuer Weise zu lesen, aus ihr heraus zu beten und zu leben. Die aus der Stille geborenen Beiträge sind Antwort auf das Wort Gottes. Die Anwesenden lassen einander an ihrem persönlichen Verhältnis zu Gott teilnehmen und erfahren so in oft überraschender Weise die verändernde Kraft geistlicher Gemeinschaft und sozialer Gotteserfahrung. In solchen Wortgottesdiensten werden auch Geistesgaben lebendig, die zum Leben einer neutestamentlichen Gemeinde gehörten, im Laufe der Geschichte aber in den Hintergrund getreten sind, wie Prophetengabe, Sprachengabe, Heilungsgaben. Auch wird die Vielfalt der in der Bibel und der kirchlichen Tradition bezeugten Gebetsgebärden neu entdeckt. Das Glaubenzeugnis voreinander befähigt den einzelnen und die ganze Versammlung zur Evangelisierung in einer dem Christentum indifferent oder feindlich gegenüberstehenden Umwelt. Der erneuerte Wortgottesdienst führt zu einer vertieften Feier des eucharistischen Geheimnisses (vgl. Nr. 198-205).

 

Strukturen 

Geistliche Gemeinde-Erneuerung hat keinen Gründer, ist nicht von einer besonderen Spiritualität geprägt und kennt keine entsprechenden Bindungsakte an die Gemeinschaft. Sie ist deshalb keine partikuläre "Bewegung" in der Kirche, sondern möchte beitragen zur Verlebendigung der gemeinsamen Spiritualität der ganzen Kirche (vgl. Nr. 4, 6).
Sie arbeitet eng zusammen mit den verschiedenen geistlichen Bewegungen und mit der Geistlichen Gemeinde-Erneuerung in der Evangelischen Kirche (vgl. Nr. 284-286).
Da Geistliche Gemeinde-Erneuerung keine eigenen geistlichen Strukturen entwickelt, hat sie die Organisationsform der Kirche selbst. In den Diözesen des deutschen Sprachraums gibt es "Sprecher" oder "Beauftragte", die von den jeweiligen Bischöfen in ihrem Dienst bestätigt sind. Zur Förderung dieser Entwicklung haben sich Gremien und Koordinierungsgruppen gebildet.

 
Charismatische Erneuerung